Tagungsbesuch Mobile Learning Day 2009

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Schrift-Logo des Mobile Learning Days

Der Mobile Learning Day MLD09 fand am 19.11.2009 zum dritten Mal an der FernUniversität in Hagen statt. Die Veranstaltung bot einen guten Einstieg in das Thema, ging aber nicht sehr in die Tiefe. Erfreulich war die Offenheit von Referierenden und Teilnehmenden, Einblicke in die betriebliche Praxis zu geben, aber auch über Negatives zu berichten. Lobenswert fand ich die Angabe des Workshops auf dem Namensschild - i. d. R. vergesse ich meine Anmeldung im Vorfeld.

Einige Eindrücke:

  • Bei Mobile Learning (M-Learning) handelt es sich um einen weiteren Kanal, Lernende mit Lernmaterialien, Übungen usw. über ein technisches Gerät zu erreichen.
  • Die Entwicklung befindet sich noch in den Kinderschuhen, Software muss für verschiedene Plattformen entwickelt werden.
  • Erste Produkte stammen wieder aus dem Drill-and-Practice-Bereich, wie digitale Karteikarten (nach Sebastian Leitner) zum Lernen von Sprachen oder Fakten eines Leistungskurses.
  • Im Bereich informellen (freiwillig, ohne Zertifizierung) Lernens werden die Möglichkeiten schon genutzt (z. B. durch den Verkauf von über 70.000 Sprachlern-Apps für das iPhone).
  • Im Bereich formellen Lernens (z. B. Schulen und Hochschulen, berufliche Bildung) gibt es neue Probleme / Hindernisse:
    • Ein bisher privat genutztes Gerät (Handy), welches positiv von Schüler/-innen wahrgenommen wird, wandelt sich zu einer Maschine, auf der Hausaufgaben per E-Mail ankommen und mit dem gelernt werden soll. Dies kann zu einer Ablehnung führen.
    • Ein Teil der Freizeit (Weg von und zum Betrieb) wird von der Arbeit vereinnahmt. Die Arbeitszeit weitet sich aus, ein Abschalten wird erschwert.
    • Teure und zeitaufwendige Anwendungen werden von Studierenden nicht genutzt - hilft hier Zwang durch Implentierung prüfungsrelevanter Informationen, Belohnungen wie Bonuspunkte in einer Klausur oder eher "spannendere" Entwicklungen?
    • Studierende missbrauchen W-LANs zu privaten Aktivitäten (E-Bay, Surfen, Spielen) im Unterricht - es gibt aber auch produktive Beispiele zur Wiki-Entwicklung.
    • In manchen Schulen sind Handys auf dem Gelände verboten. Ein Einsatz im Unterricht ist dann schwerer zu vermitteln.
  • Manche Beispiele des Just-In-Time Lernens (z. B. Reparatur einer Maschine vor Ort) erfordern eher Anwendungen von Wissensmanagement (wo liegt die Pflege- und Reparaturanleitung, erreichbar durch Handy oder Laptop).
  • Es wird an Verknüpfungen bestehender Software mit Mobile Anwendungen (z. B. für Moodle) gearbeitet.
  • Begriffe: micro-learning, entgrenztes E-Learning, m-learning, Handy, Notebook, Laptop.
  • Es gibt unterschiedliche Ansichten zu Lerndauer einer Einheit und Einsatzort - von 2 Minuten an der Bushaltestelle bis 20-30 Minuten in der Lastwagenkabine oder im Zug.
  • Mit Ton- und Video-Podcasts stehen zahlreiche Lerninformationen zur Verfügung, die gebündelt über Apples iTunes erreichbar sind.

Meine Gedanken:

  • M-Learning ist eine interessante Ergänzung des Blended Learnings, wird aber andere Formen des Lernens nicht vollständig verdrängen.
  • Einzelne Lerneinheiten müssen schnell auffindbar sein.
  • Sie müssen mit der benötigten Dauer gekennzeichnet sein, um eine Auswahl nach verfügbarer Zeit zu ermöglichen.
  • Ich stimme mit Michael Ribold von der Leuphana Universität Lüneburg darin überein, dass Lehrende und Entwickler den Wechsel von Präsenz- nach Fernlehre als neue Dimension begreifen müssen. Es sollten die Erkenntnisse der Fernlehre, die seit Jahrzehnten vorliegen, berücksichtigt werden.
  • Einige Probleme sind identisch mit denen aus der Frühzeit des E-Learnings.
  • Solange E-Learning an einer Schule oder Hochschule noch nicht fest verankert ist, hat M-Learning keine große Chance.

Warum ich dies blogge?

Nach der Beschäftigung mit der Evaluation von Krankenhaus-Webseiten war ein Ausflug in meine "alte" E-Learning-Welt eine angenehme Abwechslung.

Erstaunlich ist:

  • Die selben oder ähnliche Probleme tauchen bei jeder Weiterentwicklung des Lernens mit Computer auf.
  • Auf Tagungen bekommt man immer nur Teile eines Puzzles zu sehen, nie das große Ganze. Dies liegt aber an der Komplexität vieler Felder, egal ob X-Learning, Evaluation,  Usability, Frauenförderung oder Gender Mainstreaming.

Kommentare

Mobile Lösungen für das Lernen

Ich denke es wird viel zu sehr der Fokus auf den Bereich "Mobiles Gerät benutzen, und hinterher bin ich schlauer." gelegt. Das ist ungefähr genauso naiv, wie wenn man bei der Einführung des buches nach Gutenberg sich einzig drauf konzentriert "Buch benutzen, und hinterher bin ich schlauer."

Es kommt drauf an, WAS man damit tut und WIE man das tut. Ich kann ein Buch z.B. scannen (um paar Stichworte zu bekommen die vielleicht nur 'ne Anregung sind für einen Vortrag) oder mir z.B. den Inhalt erarbeiten (dann brauche ich z.B. auch weitere Tools wie z.B. Stift und Papier, Rechner, Drucker, Textmarker). Das Ding ist... man kann das nicht so monoperspektivisch betrachten, dass man nur guckt und fragt "Wo macht mich das Ding schlauer?".

Mit dem Mobile z.B. einem Smartphone - besser einem SmartDisplay - kann ich aber alles was RUNDRUM um den Lernprozess benötigt wird erheblich beeinflussen und an diversen Werkzeugbedarfen andocken. Stichwort: Informationsbeschaffung, Sharing von Content und Ideen, Kommunikation mit Anderen, Entkopplung von Raumzwängen, und Vieles mehr.

Interessanter für mich ist daher das DRUMRUM beim Lernen und beim Forschen. Zum Beispiel die Frage "Wie gestaltet sich die Nutzung der Bibliothek?" als Randprozess (oder doch Kernprozess?) des Lernens und Forschens. Und wenn ich dann z.B. als Bibliothek hoffe, dass das vom DOS-PC wenig ans WWW angepasste Webeingabeformular für den OPAC ausreichend ist auf einem Screen der kleiner ist und anderen Form-Factor aufweist, um den neuen mobilen Nutzungsszenarien gerecht zu werden, dann geht das genauso am Thema vorbei, wie wenn ich m-Learning wieder mal mit Powerpoints und PDF's auf's Handy umsetzen will. Da wartet eine ganze Menge Arbeit... nicht in der Technik, sondern erstmal in der Anpassung der eigenen Perspektive.

Diese Grafik zeigt was da meiner Meinung nach Sache ist:

 


Quelle: Mobile Internet Usage Is and Will Be Bigger than Most Think (Bild in groß)

 

Noch nie in der Geschichte des Internet wurde eine so starke Adoptionrate erreicht, wie das derzeit mit mobilem Internet (hier am Beispiel iPhone) passiert. Das bedeutet, wir haben nicht wie 1993 etwa 10 Jahre Zeit uns was Sinnvolles für mobile Usage zu überlegen. Die Nutzer werden schon vorher was Nützliches verlangen. Und wer schlau ist liefert das auch! Mobile Usability wird ein Riesenthema werden, denn mobile Netznutzung wird zur Normalität.